Gewerkschaft vida rät gekündigten Lieferando-Beschäftigten: Jetzt nichts unterschreiben!
In Linz sind mehr als 80 Beschäftigte von Standort-Schließung betroffen
Weil der Essenszustelldienst Lieferando seine fix angestellten Beschäftigten kündigen will und künftig wie die Konkurrenz auf prekäre Arbeitsverhältnisse setzen will, verlieren österreichweit fast 1000 Menschen ihre Jobs. Auch der Standort in Linz mit derzeit mehr als 80 Beschäftigten, ist betroffen. In einer Betriebsversammlung haben Gewerkschaft vida, Betriebsrat und Arbeiterkammer über die aktuelle Situation informiert. „Es gibt derzeit Verhandlungen über einen Sozialplan für die Kolleg:innen. Daher raten wir dringend, nichts zu unterschreiben, sondern sich zuvor bei der Gewerkschaft oder Arbeiterkammer beraten zu lassen“, sagt der Landesvorsitzende der Gewerkschaft vida Oberösterreich, Gerhard Siegl. Wer vorschnell unterschreibt, riskiert, dass er etwaige Ansprüche verliert.
Die Vorgehensweise von Lieferando wird von der Gewerkschaft vida scharf kritisiert. War das Unternehmen bisher vorbildlich und hat als einer der wenigen Essenszusteller in Österreich seine Mitarbeiter:innen in regulären Arbeitsverhältnissen beschäftigt, soll nun komplett auf freie Dienstverträge umgestellt werden. Ziel ist es, Arbeitsstandards zu umgehen, Risiken wie schlechte Auftragslagen oder Krankheit auf die Beschäftigten abzuwälzen und den eigenen Gewinn zu maximieren. Die freien Dienstnehmer:innen sind dem schutzlos ausgeliefert.
Politik muss jetzt eingreifen!
Die Gewerkschaft vida nimmt neben den Unternehmen auch die Politik in die Pflicht. „Unregulierte Plattformarbeit hebelt bestehende Arbeitsrechte aus. Die Politik darf nicht länger zusehen, wie internationale Konzerne ihre Verantwortung abschütteln. Deswegen fordern wir, dass freie Dienstverhältnisse in diesem Bereich abgeschafft werden. Wenn es schon die alte Bundesregierung verabsäumt hat, entsprechende Regelungen zu treffen, so sehen wir jetzt die neue Regierung in der Pflicht, rasch zu handeln und die EU-Richtlinie zur Plattformarbeit schnellstmöglich umzusetzen“, sagt Siegl.
Um ein sichtbares Zeichen gegen das Vorgehen von Lieferando zu setzen, ruft das „Riders Collective“ unter dem Motto „Ist das ein Scherz?“ am 1. April ab 16 Uhr zu einer Demo in Wien auf.