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Arbeitsinspektion stärkt mit Kontrollen und Beratung den Arbeitsschutz, zeigt neuer Bericht. auremar – stock.adobe.com

Arbeit wird sicherer: Weniger Unfälle in Österreich

Arbeitsinspektion stärkt mit Kontrollen und Beratung den Arbeitsschutz, zeigt neuer Bericht

Das Wichtigste in Kürze

  • Es gibt weniger Arbeitsunfälle, dafür ist aber die Gewaltbereitschaft gestiegen und die Auswirkungen des Klimawandels sind spürbarer
  • Laut aktuellen Zahlen gibt es 128.878 Arbeitsunfälle für 2025
  • Arbeitsschutz macht Arbeitsplätze sicherer

Eine Unachtsamkeit, oftmals durch Stress, genügt und schon liegt die Kollegin oder der Kollege am Boden. Die Folgen von Arbeitsunfällen sind häufig offene Wunden, gebrochene Knochen und schmerzhafte Prellungen. Zwar ist die Zahl der Arbeitsunfälle im vergangenen Jahr um 2,4 Prozent auf 128.878 gesunken. Doch trotz dieses Erfolgs verbergen sich laut aktuellen Zahlen der AUVA neue Bedrohungsszenarien für Österreichs Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Gestiegen sind etwa die Auswirkungen des Klimawandels und die Gewaltbereitschaft in den Betrieben.

Es sind vor allem scharfe Arbeitsmittel, die bei Arbeitnehmer:innen Verletzungen verursachen, am häufigsten passieren Unfälle bei der Arbeit mit Messern sowie beim Hämmern und Nageln. Aber auch das Ausrutschen auf einem rutschigen Boden und Verletzungen durch Nadeln und Spritzen stehen weit oben auf der Liste der häufigsten Unfallursachen. Dinah Djalinous-Glatz, Expertin für Arbeitnehmer:innenschutz, beantwortet die wichtigsten Fragen.

FAQ: Wissenswertes über Arbeitsunfälle

Was ist ein Arbeitsunfall?

Ein Arbeitsunfall unterscheidet sich von privaten Freizeit- oder Verkehrsunfällen. Als Arbeitsunfall gilt ein Unfall nur dann, wenn er im Rahmen der beruflichen Tätigkeit passiert und ein Zusammenhang mit dem Beschäftigungsverhältnis besteht. 

Dazu zählen Unfälle am Arbeitsplatz, im Homeoffice, auf dem Weg zum Mittagessen oder auf dem direkten Weg zur Arbeit, von der Arbeit oder zur Ausbildungsstätte. Umfasst sind auch Wege von der Arbeit zu Ärztinnen und Ärzten – auch wenn der Termin außerhalb der Dienstzeit liegt. Außerdem zählt auch ein Unfall auf dem Weg von der Arbeit zum Kindergarten oder von dort in die Arbeit als Arbeitsunfall. Dasselbe gilt etwa für Wege zur Schule, zu Arbeitsterminen oder auch zur Betriebsversammlung.

Was sind typische Arbeitsunfälle?

Häufig schneidet sich jemand während der Arbeit mit einem Messer, stürzt von einem Baugerüst oder rutscht auf dem Heimweg von der Arbeit aus und verletzt sich dabei am Bein. Aber auch Unfälle mit dem Firmenwagen während einer Dienstfahrt oder Stürze auf Treppen in Bürogebäuden zählen zu den typischen Beispielen.

Ist der Weg zur Arbeit und von der Arbeit unfallversichert?

Ja, der direkte Weg von zu Hause in die Arbeit und von der Arbeit nach Hause ist durch die Unfallversicherung geschützt. Aber: Gehst du nach der Arbeit mit Kolleginnen oder Kollegen noch etwas trinken oder machst aus privaten Gründen einen Umweg, ist der anschließende Heimweg nicht mehr unfallversichert.

Wann sind Unfälle außerhalb des Arbeitsortes oder der beruflichen Tätigkeit Arbeitsunfälle?

Beispiele hierfür sind Betriebsausflüge, Firmenfeiern auf Kosten des Arbeitgebers, Wege zum AMS oder zu Vorstellungsgesprächen bei Arbeitslosigkeit. Auch die Ausbildung oder Tätigkeit im Ehrenamt (z. B. Feuerwehr, Rettung) ist versichert – ebenso wie Erste-Hilfe-Leistungen oder Notfallhilfe.

Was muss ich tun, wenn ich einen Arbeitsunfall habe?

Zunächst musst du unverzüglich deinen Arbeitgeber verständigen. Dann solltest du dich vergewissern, ob von den beteiligten Stellen (Arbeitgeber, behandelnder Arzt bzw. behandelnde Ärztin, Krankenhaus) eine Unfallmeldung an die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) geschickt wurde, und den Betriebsrat informieren.

Warum sollte ich meinen Arztbesuch registrieren bzw. auch im Zeiterfassungssystem vermerken?

Weil nur dann sichergestellt ist, dass ein möglicher Unfall auch als Arbeitsunfall anerkannt wird.

Bleib informiert über deine Arbeitswelt! Das Wichtigste auf einen Blick

Welchen Unterschied macht es für Arbeitnehmer:innen, wenn es sich um einen Arbeitsunfall handelt?

Wird ein Unfall während der Arbeitszeit als Arbeitsunfall anerkannt, gelten andere sozialrechtliche Ansprüche als bei privaten Unfällen. Arbeitsunfälle können bei der AUVA oder BVAEB geltend gemacht werden, private Unfälle bei der zuständigen Krankenkasse. Bei schweren Unfällen mit langfristigen Folgen bestehen oft erhebliche finanzielle Unterschiede.

Warum sollte ein Arbeitsunfall immer gemeldet werden?

Nur so erhalten Arbeitnehmer:innen die notwendige Behandlung, um Folgen zu minimieren. Kostenbeteiligungen können entfallen, und bei Berufsuntauglichkeit ist eine Umschulung möglich. Bei bleibenden Schäden zahlt die AUVA oder BVAEB eine Versehrtenrente. Hinterbliebene erhalten bei einem tödlichen Unfall eine Rente und einen Beitrag zu den Bestattungskosten.

Wie wichtig ist Unfallverhütung?

 Unfallverhütung ist entscheidend, um hohe Folgekosten und persönliches Leid durch Arbeitsunfälle zu verhindern. Dazu zählen alle technischen, organisatorischen oder psychologischen Maßnahmen, die die Sicherheit am Arbeitsplatz gewährleisten. Unfallverhütung ist also auch eine ethische und moralische Verpflichtung.

Gibt es ein Beispiel dafür?

Wenn wir beispielsweise Unfälle durch gefährliche Materialien wie Lacke und Lösungsmittel vermeiden wollen, kann man zunächst an technische Lösungen wie Absaugvorrichtungen denken. Wenn das nicht möglich ist, werden organisatorische Lösungen – etwa angepasste Arbeitszeiten – eingesetzt. Sollte auch das nicht greifen, kann eine Schutzausrüstung zur Verfügung gestellt werden. 

Oberster Grundsatz ist immer: Die gewählte Schutzmaßnahme selbst darf keine zusätzliche Gefährdung darstellen.