Weniger ist mehr
Kürzere Arbeitszeiten im Trend: Steirischer Installateur führt 4-Tage-Woche ein
Mehr Freizeit soll laut Geschäftsführer Motivation und Produktivität erhöhen und neue Fachkräfte anziehen
Nach zweimonatiger Übergangsphase war es am 1. Jänner 2022 so weit: Im Installationsbetrieb Kubica im steirischen Kirchberg an der Raab ist der Startschuss für die 4-Tage-Woche gefallen.
Die 16 Beschäftigten arbeiten seit Jahresbeginn an vier statt an fünf Tagen, 35 statt 38,5 Stunden, und das bei gleichbleibender Bezahlung.
Weniger Arbeit soll mehr Fachkräfte bringen
„Wir wollten als Arbeitgeber attraktiver als unsere Mitbewerber sein. Wir wollten ein ganz besonderes Alleinstellungsmerkmal, weil bis jetzt noch wenige Firmen eine 4-Tage-Woche anbieten“, erzählt Martin Wasif, einer der beiden Geschäftsführer von Kubica, über die Gründe für die Einführung der kürzeren Arbeitswoche im oegb.at-Interview.
Neue Fachkräfte anzulocken, war aber nicht die einzige Motivation, so Wasif weiter: „Bei uns stehen die ArbeitnehmerInnen im Fokus. Sie leisten tolle Arbeit und dafür sollen sie auch etwas bekommen, in unserem Fall mehr Freizeit.“
„Unsere ArbeitnehmerInnen leisten tolle Arbeit und dafür sollen sie auch etwas bekommen, in unserem Fall mehr Freizeit.“
Mehr Zeit, Energie zu tanken
Wasif ist überzeugt, dass mit der Arbeitszeitverkürzung, „auch die Motivation und die Produktivität im Team gesteigert werden können. Meine KollegInnen können richtig Energie tanken und sich gut erholen“.
Die Firma Kubica achtet darauf, dass wirklich jede und jeder drei Tage hintereinander frei hat. Das bedeutet aber nicht, dass der Betrieb am Freitag komplett geschlossen hat: „Wer bei uns am Freitag Dienst hat, der bekommt dafür den Montag frei“, erklärt der Geschäftsführer.
Rote Karte für Arbeiten bis zum Umfallen
Die Beschäftigten selbst sind von ihrer kürzeren Arbeitswoche begeistert. „Viele haben Familie und da bleibt jetzt natürlich mehr Zeit für den oder die PartnerIn und die Kinder. Außerdem auch mehr Zeit für Hobbys, FreundInnen und Entschleunigung“, so Wasif.
Nicht zuletzt hat für ihn auch die Corona-Pandemie „uns allen gezeigt, was wirklich wichtig ist: die Gesundheit und Zeit, auf uns selbst zu achten. Das geht mit weniger Arbeit natürlich viel besser“.
Keine Eintagsfliege
Die 4-Tage-Woche bei Kubica ist gekommen, um zu bleiben. „Die Dienstverträge der Beschäftigten wurden bereits geändert. Wir sind sicher, dass weniger Arbeit einen Mehrwert für alle bringt“, sagt Wasif.
Für ihn spielt die 4-Tage-Woche auch eine wichtige Rolle, wenn es um die Zukunft des Betriebs geht: „Wir wollen für Fachkräfte attraktiv sein und dem Handwerk einen höheren Stellenwert geben. Wir wollen uns von anderen absetzen und etwas Ungewöhnliches bieten!“
Der ÖGB setzt sich seit jeher für kürzere Arbeitszeiten bei vollem Lohn- und Personalausgleich ein.
Wir begrüßen alle Formen der Arbeitszeitverkürzung, etwa die 4-Tage-Woche, die sechste Urlaubswoche oder reduzierte Tages- oder Wochenarbeitszeiten.
Kürzere Arbeitszeiten sorgen auch dafür, dass mehr Menschen einen Job finden – gerade in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit ist die bessere Verteilung von Arbeit unumgänglich!